Jeden Mittwochmittag veranstaltet das Kunstmuseum Marburg eine „Kunstpause“, in der ein Werk der Sammlung vorgestellt wird im Gespräch mit Besuchern.

Diese Woche stand das Spanplattenbild „Transformation VII“ von Raimer Jochims im Zentrum der Betrachtung, das sich seit 2002 im Besitz des Museums befindet in einem kleinen Raum, der mit einem kurzen Text zum Thema „Farbe“ überschrieben ist, zusammen mit Gemälden von Otto Ubbelohde.
Die Museumspädagogin Swantje Frank-Jakob hatte sich gründlich vorbereitet und konnte nach einer Runde, in der die 15 Teilnehmer ihre spontanen Eindrücke zu dem Bild äußerten, über Biografie, Werkgeschichte und lebensphilosophische Positionen des Künstlers reden. Insbesondere seine Farbform- und Identitätskonzeption wurden anhand des Bildes erörtert.
Frank-Jakob wusste sogar zu berichten, dass Jochims die Hängung seiner Bilder an Drähten ablehnt, konnte aber nicht sagen, warum die Kuratoren des Hauses das nicht berücksichtigt haben. Tatsächlich ist diese Art der Hängung störend, zumal das Bild dadurch stark geneigt ist, die untere Kante fast die lichtgraue Wand berührt und die obere eine Handbreit Abstand hat. Auch die etwas ungleichmäßige Beleuchtung mit einem stark gelblichen Strahler könnte besser gelöst werden.
Aber das alles kann der Wirkung des Bildes kaum Abbruch tun. Einige Teilnehmer brachten zum Ausdruck, wie stark sie die ungewohnte Form und Technik sowie vor allem die Übergänge fast aller Spektralfarben ineinander beeindrucken. Auch die Dynamik hin zur linken nach oben strebenden Bildecke wurde bemerkt.
Die Museumspädagogin gab noch eine bemerkenswerte Beobachtung zum Besten: Wenn sie mit Kindergruppen durch die Räume läuft, um zu einer bestimmten Arbeit zu gelangen, bleiben öfters einzelne Kinder in dem Ubbelohde-Jochims-Kabinett stehen und schauen sich wie gebannt zu das Spanplattenbild an. Wenn Frank-Jakob sie dann fragt, warum sie gerade dieses Bild so anziehend finden, sagen sie, weil es so schön rund ist und so bunt!
- Raimer Jochims – Transformation VII
- Raimer Jochims – Transformation VII – Hängung

